Agenturen bauen Kundenprojekte. Das ist der Kern des Geschäfts. Aber wir bauen seit Jahren auch eigene Produkte - und das ist eine Entscheidung, die uns täglich beschäftigt, manchmal belastet, und die wir trotzdem nicht rückgängig machen würden.
Dieser Post ist kein Hochglanz-Überblick. Es ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was wir gebaut haben, warum wir es gebaut haben, was davon funktioniert, und was noch nicht so, wie wir uns das wünschen.
Warum eine Agentur eigene Produkte baut
Die Antwort, die gut klingt: "Wir wollen Thesen aus der Praxis testen." Die ehrlichere Antwort besteht aus drei Teilen.
Erstens: Einnahmen diversifizieren. Agenturarbeit ist projektbasiert. Kommt weniger rein, wächst die Nervosität schnell. Produkte mit wiederkehrenden Einnahmen - auch kleine - puffern das ab. Nicht vollständig, aber spürbar.
Zweitens: Glaubwürdigkeit aufbauen. Wenn wir Kunden beraten, KI einzusetzen oder eine neue Plattform aufzubauen, und wir haben das selbst schon gemacht, ist das Gespräch ein anderes. Wir wissen, wo es hakt. Wir kennen die echten Kosten. Das schätzen Kunden.
Drittens: Weil es Spaß macht. Das klingt naiv, ist aber relevant. Eigene Produkte geben einem Team die Möglichkeit, Entscheidungen ohne Kundenabstimmung zu treffen, Dinge schnell auszuprobieren, und etwas aufzubauen, das einem selbst gehört.
Die Produkte im Überblick
BrandPilot
BrandPilot erstellt professionelle Brand Guides. Aus den Angaben zu Marke, Zielgruppe und Positionierung entsteht ein vollständiger Marken- und Stilleitfaden als PDF, mit Farben, Typografie, Tonalität und Beispielen für die Anwendung. Hinter BrandPilot arbeiten mehrere spezialisierte KI-Agenten, die jeweils einen Teil dieser Arbeit übernehmen.
Wichtig ist uns die Abgrenzung: BrandPilot ist kein Textgenerator. Texte entstehen nur dort, wo ein Brand Guide sie braucht, etwa als Beispiele für die Tonalität. Was funktioniert: Die Kernidee, Markenwissen in einen strukturierten, jederzeit greifbaren Leitfaden zu übersetzen, ist tatsächlich nützlich. Was noch nicht stimmt: Der Onboarding-Prozess ist für kleinere Teams noch zu aufwendig.
YIIO
YIIO ist unsere Plattform für Reputationsmanagement. Sie bündelt dreizehn Werkzeuge, die sich alle um dasselbe kümmern: die Reputation einer Entität, also einer Person, einer Organisation oder einer Marke. Jedes Werkzeug betrachtet sie aus einer anderen Richtung, vom Beobachten und Bewerten über das eigene Profil bis zum Schutz und Aufräumen von Einträgen.
Die Entität wird einmal angelegt, und alle Werkzeuge greifen auf denselben Kern zu. Deshalb wurde dieser Kern zuerst gebaut, alle Werkzeuge sind schrittweise dazugekommen. Der Stand heute: die Plattform steht, ein Teil der Werkzeuge gehört noch etwas optimiert.
podlet
podlet steht für Podcast Letwork, von "let work", also arbeiten lassen. Genau darum geht es: Unternehmen geben Teile oder den gesamten Prozess ihres Podcasts an uns ab, von Strategie und Konzept über Aufnahme, Schnitt und Sound Design bis zu Veröffentlichung, Vermarktung und Seeding, also dem gezielten Verbreiten der Folgen. Alle Leistungen stehen auf podlet.at.
Dazu kommt die podlet-Plattform, über die Podcaster ihre Folgen hochladen und eine eigene Seite samt RSS-Feed bekommen. Die Plattform ist noch nicht live, der Launch ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Was gut läuft: Die ersten Pilot-Podcaster testen bereits, und ihr Feedback ist konkret und umsetzbar. Was bis zum Start noch fehlt: ein stabiles Abo-Modell und mehr Integrationen mit Plattformen wie Spotify und Apple Podcasts.
BillPilot
BillPilot ist eine schlanke Buchhaltungslösung für Selbstständige und Kleinunternehmen im deutschsprachigen Raum. Der Fokus liegt auf Einfachheit und österreichischer Rechtssicherheit - was beides schwerer zu kombinieren ist, als es klingt.
Status: Im Betrieb, mit einer kleinen, aber treuen Nutzerbasis. BillPilot ist das Produkt, das am stabilsten läuft - wahrscheinlich, weil das Problem so klar definiert ist.
#hashwall
#hashwall sammelt Social-Media-Beiträge zu einem Hashtag von verschiedenen Plattformen, moderiert sie und zeigt sie live: eingebettet auf einer Website oder als eigene Wall auf dem großen Screen bei Events und Messen, auf Wunsch mit Umfragen, Reaktionen und Lead-Erfassung.
#hashwall gibt es seit 2013. Weil sich die digitale Welt seitdem drastisch verändert hat und sich weiter verändern wird, wurde der Dienst 2023 in einer kompletten Neuauflage von Grund auf neu gestaltet und neu programmiert. Das Ergebnis: optisch nahezu identisch mit seinem Vorgänger, technisch komplett neu und vollständig einsatzbereit.
AEGIS
AEGIS ist eine Agent Engine, die KI lokal nutzbar macht. Das System läuft auf eigener Hardware im Unternehmen, die Daten verlassen das Haus nicht. Das Wichtigste daran ist die Politik aus drei Ebenen: Eine Instanz versteht die Anfrage und formuliert daraus eine Absicht. Eine zweite prüft diese Absicht gegen klare Regeln und gibt sie frei. Erst eine dritte führt sie aus und protokolliert jeden Schritt fälschungssicher. Das Sprachmodell selbst kann nichts direkt ausführen - nichts passiert unerlaubt.
Damit richtet sich AEGIS an Bereiche, in denen Datenschutz nicht verhandelbar ist: Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen, Steuerberatung und Kommunen. AEGIS antwortet auf Basis der eingepflegten Dokumente und sagt klar, wenn eine Information fehlt. Das Produkt ist noch früh. Die Architektur steht, jetzt geht es um den Weg in den Praxisalltag.
Was es kostet - die ehrliche Bilanz
Eigene Produkte kosten Zeit. Das klingt trivial, aber der tatsächliche Aufwand überrascht immer wieder. Nicht nur die Entwicklung, sondern auch Support, Kommunikation, Buchhaltung, rechtliche Fragen, Hosting, Security-Updates. Wer sechs Produkte betreibt, betreibt sechs kleine Unternehmen parallel.
Der Ressourcen-Split ist real: Kapazität, die in Produktentwicklung fließt, fehlt kurzfristig im Kundenprojekt-Geschäft. Das ist eine Abwägung, die wir bewusst treffen - aber wir wären nicht ehrlich, wenn wir sagten, dass es immer einfach ist.
Wie wir entscheiden, was wir bauen
Unsere Kriterien haben sich über die Jahre geschärft. Wir bauen ein neues Produkt, wenn mindestens drei Dinge zutreffen: Wir haben das Problem selbst oder bei Kunden gesehen. Der Markt ist nicht gesättigt mit einer überlegenen Lösung. Und wir können in drei Monaten etwas Testbares bauen.
Was wir nicht mehr machen: Produkte bauen, weil die Idee cool ist. Ideen sind günstig. Der entscheidende Filter ist, ob das Problem real und häufig genug ist, um Zeit zu investieren.
Die meisten unserer Produktideen sterben in der Testphase. Das ist kein Scheitern - das ist der Prozess.
Was gut läuft und was noch nicht
Gut läuft: BillPilot (stabil, klarer Nutzen), #hashwall (seit 2013 im Einsatz, seit der Neuauflage 2023 technisch auf dem neuesten Stand) und podlet als Produktionsservice. Die podlet-Plattform ist auf Kurs für den Launch im zweiten Quartal 2027.
Noch nicht dort, wo wir sein wollen: AEGIS (die Architektur steht, der Weg in den Praxisalltag beginnt gerade), YIIO (die Plattform steht, einige Werkzeuge brauchen noch Feinschliff) und BrandPilot (das Onboarding ist zu aufwendig). Das sind keine Fehler, die wir verstecken - es sind Baustellen, an denen wir arbeiten.
Was wir gelernt haben: Ein Produkt, das gut genug ist und sich klar kommunizieren lässt, schlägt ein technisch überlegenes Produkt mit unklarem Nutzenversprechen fast immer. Wir sind besser im Bauen als im Kommunizieren. Daran arbeiten wir.


